Montag, 11. September 2006
Papst auf Werbetour in Bayern
Nicht genug damit, dass Deutschland jetzt Papst ist, wie eine große deutsche Papierverwertungsfirma Tageszeitung enthusiastisch verkündet hatte, nein, jetzt muss der Papst auch noch nach Deutschland zurückkommen. Wobei: So ganz nach Deutschland hat er es noch nicht geschafft – vorerst ist er nur in Bayern, dem wunderbaren Land der Lederhosen und Edmund Stoiber. Schlimm genug ist es allemal. Hier hat Ratzinger, alias Benedikt XVI, eine große Werbeansprache für die gebeutelte und oft missverstandene katholische Kirche auf das Volk losgelassen. Die westliche Welt, so prangerte der Papst an, sei gleichgültig gegenüber Gott – beziehungsweise gegen die katholische Kirche, was für die Katholiken ja bekanntlich ein und dasselbe ist. Auch wenn das fast unmöglich erscheint, hat es den Eindruck, als ginge dem Vatikan so langsam das Geld aus – da kämen ein paar zusätzliche Euros aus Deutschland natürlich gerade recht.
Dem entsprechend forderte Ratzinger die Deutschen auf, sich wieder auf die Zahlung der Kirchensteuer das Evangelium zu besinnen. Recht hat er! Schließlich werden wir alle ausnahmslos im Fegefeuer schmoren, wenn wir uns nicht brav beim Sonntagsgottesdienst das Hirn weichsingen lassen und, so wie sich das für eine Schar Lämmer gehört, unsere Sünden bekennen. Außerdem sollte man nicht vergessen: Die katholische Kirche tut ja auch viel Gutes! Hat sie schon immer getan! Das ist ja sozusagen Tradition. Scheiterhaufen Massaker Nächstenliebe und so. Beispiele dafür gibt es in Hülle und Fülle! So sorgt sie zum Beispiel in vielen von HIV gebeutelten Staaten der Dritten Welt auch heute noch für jede Menge segensreichen Nachwuchs, indem sie die Nutzung von Kondomen und anderer Verhütungsmittel verdammt. Oder wie wäre es mit der absoluten Vorzeigenächstenliebenden, Mutter Theresa, die jeder Menge schwerkranker Inder gewissermaßen zu einem Expressticket direkt bis an die Himmelstür (und dem Vatikan zu jeder Menge Kohle) verholfen hat? Das ist eine so unverschämt gute Tat, dass sie dafür sogar heilig gesprochen wurde! Unser „Kirchenzehnt“ wäre bei der Katholischen Kirche also bestens angelegt – es sei denn, es kommt mal wieder zu einem Finanzskandal bei der Vatikanbank, was allerdings unwahrscheinlich ist. Schließlich haben die heiligen Geldsäcke Finanzexperten inzwischen auch dazugelernt und werden sich sicher nicht so schnell noch mal erwischen lassen.
Der Papst will allerdings nicht nur uns, sondern er will auch unsere Kinder. Dies hatte er am zweiten Tag seines Bayernbesuches verkündet. Hier forderte er Eltern dazu auf, mit ihren Kindern in die Kirche zu gehen. Und auch hier kann man dem verschrobenen Alten heiligen Vater nur zustimmen, obgleich wenn man ihm soviel offene Selbstkritik gar nicht zugetraut hätte! Allerdings haben die Erfahrungen aus der jüngeren Vergangenheit auch ziemlich offensichtlich gezeigt, dass das weitaus sicherer ist, als die Kinder allein zu den Katholiken zu schicken. Sicherer für die Kinder meine ich. Wenn die Eltern ihren kleinen Jungs und Mädchen in die Kirche begleiten, kommen die heiligen Brüder auch nicht so schnell auf komische Gedanken. Hut ab für so viel Weitsicht kann man da nur sagen!
Doch damit nicht genug! Neben einer bisher für unmöglich gehaltenen Offenheit überraschte Ratzinger die Anwesenden auch mit seinen zwischenzeitlich in Rom erworbenen Kenntnissen der Inneren Medizin! Diese brachten den Papst zu der geradezu erschreckenden Erkenntnis, dass bei allen, die nicht regelmäßig in die Kirche gehen, „innere Sinne abzusterben drohen“! Damit widerlegt Prof. Dr. Ratzinger die bisher in der denkenden Welt geltende These, dass gerade der regelmäßige Besuch des Gottesdienstes zu einer deutlichen Verminderung der gesunden Sinneswahrnehmung führen könne. In vielen Fällen ginge diese gar so weit, dass sich die Betroffenen in seltsame Gewänder hüllten, sich phallische Hüte aufsetzten und eine an ein Kreuz genagelte Männerfigur singend durch die Straßen trügen.
Alles in Allem waren die ersten beiden Tage des Papstbesuches wohl aber sehr erfreulich und endeten mit einer guten Nachricht: Äußerungen des Papstes legten die Vermutung nahe, dass er seine Reihe in die Heimat als Abschiedsbesuch ansieht. So gehen wir doch alle hoffnungsvoll in die neue Woche!
Witziger Zufall: Aufgrund einer ungenügenden Absprache müssen alle Nervenheilanstalten Münchens ihren Patienten gleichzeitig für das Wochenende Freigang gewährt haben - zeitgleich mit dem Papstbesuch. Wie Augenzeugen berichteten, waren die Straßen von jubelnden Massen gesäumt, die lauthals „Benedetto“ riefen und in weiße und gelbe T-Shirts gekleidet waren. Die Sicherheit der sonst ebenfalls anwesenden 100 Kardinäle und Bischöfe sei davon aber nicht bedroht gewesen.
Mit den Worten „Die Welt braucht Gott. Wir brauchen Gott“ schloss Ratzinger seine bewegende Ansprache. Wenn auch für den ersten Teil dieser Aussage gewisse Zweifel angebracht scheinen, mag der zweite Teil zumindest für den Vatikan vollauf zutreffen: immerhin ist Gott, den sie Katholiken so clever unter den Nagel gerissen haben, dessen einzige Einnahmequelle, und eine recht einträgliche dazu. Die will man sich natürlich nicht vermiesen lassen. In diesem Sinne: Viel Glück Joseph und komm gut nach Hause!
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