Nun ist es dahin, das saubere Image des Siemens-Konzerns, dem, wie ich gestehen muss, auch ich etwas nachtrauere. Ihm und der Zeit als die Unternehmensführungen zumindest noch eine Spur geschäftlichen Anstands besaßen – oder zumindest diesen Eindruck machten. Und wie immer in solchen unschönen Fällen schreien Medien und die Politik lauthals nach rigoroser Verfolgung derartiger Skandale. Wahrscheinlich ebenso rigoros wie in der Mannesmann-Affäre, die ja bekanntlich niemanden – mit Ausnahme der ehemaligen Angestellten – den Kopf gekostet hat. Ich muss sagen, eine so rigorose Verfolgung würde ich mir gern gefallen lassen, zumal ja für jeden Beteiligten ein paar Milliönchen für die Rentenkasse abgefallen sind. Ach nein, die brauchen sie ja gar nicht! Eine saftige Pension bekommen sie ja auch noch! Nichts mit 345 Euro Regelsatz.
Sehr löblich im Falle Siemens ist jedoch die Bekundung von Siemens-Vorstandschef Kleinfeld, der, leider erst sehr spät, nämlich im Januar über die Vorfälle informiert, sofortige und strikte Abstrafungen angeordnet hat. Das war jetzt, im November. Ich würde ja zu gerne mal wissen, wie diese Abstrafungen aussehen werden. Ich sehe schon beinahe vor meinem geistigen Auge, wie sich Siemens' Top-Manager gegenseitig mit ihren Geldsäcken verprügeln.
Doch es gibt auch gute Meldungen! So hat der Papst persönlich eine völlig neuartige Entdeckung gemacht, die die Welt in ihren Grundfesten erschüttern wird: Kondome! Das sind so kleine Gummitütchen, die nicht nur verhindern, dass man sich beim – ihr wisst schon – mit lauter ekligen Erkrankungen anstecken kann, sondern auch dafür sorgen sollen, dass Frauen, die nach dem – ihr wisst schon – keine Kinder bekommen möchten, auch keine bekommen. Es ist schon beinahe skandalös, dass die Welt außerhalb des Vatikans erst 1855 von dieser Erfindung in Kenntnis gesetzt wurde! Aber im Ernst: Es sieht so aus, als wolle Josef seine Haltung gegenüber der Nutzung von Kondomen im Kampf gegen AIDS – vor allem in Afrika – verändern, eine 180 Grad Kehrtwende sozusagen. Bisher hatte er nicht gezögert, trotz erschreckender Zahlen von Infizierten in den Ländern der Dritten Welt, lediglich die traditionellen »Morallehren« der katholischen Kirche ins Feld zu führen – ohne dabei jedoch Kondome zu erwähnen. Jetzt scheint sich AIDS so langsam auch in den recht trägen Augen der Kirche zum größeren Übel zu entwickeln und ein leichtes Abweichen von antiquierten Sittenvorstellungen zu rechtfertigen.
Ganz so sicher ist man sich auf dem heiligen Stuhl allerdings noch nicht. Zunächst soll ein Bericht die wissenschaftlichen Aspekte der Nutzung von Kondomen durchleuchten – würde mich mal interessieren, wie die heiligen Herren das untersuchen wollen, wo sie doch gar nicht dürfen... ihr wisst schon.
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