Freitag, 6. April 2007

Was ist eigentlich Ostern?

Es ist Freitag - Karfreitag, ein freier Tag und Beginn eines langen Wochenendes. Da bis zum Frühstück noch etwas Zeit ist, zappe ich durch das Morgenprogramm im Fernsehen und werde prompt daran erinnert, dass der Karfreitag ja auch der höchste Feiertag der katholischen Kirche ist. An diesem Tag gedenken die Christen des Leidens, des Todes und der Auferstehung Jesus Christus'. Doch wie so ziemlich alle kirchlichen Feiertage hat auch Ostern und der Karfreitag eigentlich einen ganz anderen, vorchristlichen Ursprung und wurde von der Kirche lediglich für ihre eigenen Zwecke "okkupiert".

Das Osterfest hat, historisch gesehen, einen viel naheliegenderen Ursprung: Es kennzeichnet gewissermaßen den Beginn des neuen Jahres, des Frühlings, der Aussaat und des Neubeginns. Dieser Bedeutung trägt auch der Name "Ostern" Rechnung, der sich von Osten ableitet - der Himmelsrichtung, in welcher die Sonne aufgeht. Bestätigen läßt sich diese Erklärung anhand des englischen Namens: "Easter" - abgeleitet von "east", Osten. Ebenso interessant: Auch der Umstand, dass katholische Priester in der Osternacht das Taufwasser für das ganze Jahr weihen, geht eigentlich auf einen viel früheren, vorchristlichen Taufritus der Nordgermanen zurück, der ebenfalls in der Osternacht stattfand. Der Namensforscher Prof. Jürgen Udolph von der Universität Leipzig sieht genau hier den Ursprung des Namens "Ostern" - nämlich in den nordgermanischen Wörtern "ausa" für Wasser, beziehungswiese "austr" für begießen.

Dass das Osterfest in seiner heutigen, christlichen Bedeutung, eine reine Erfindung ist und mit dem Tod und Leiden Christi gar nichts zu tun hat, darauf scheinen auch andere Hinweise zu deuten, die sich in der Literatur finden. So zum Beispiel bei den Tempelrittern. Historischen Überlieferungen entsprechend bestand ein Teil des Initiationsritus, den ein neues Ordensmitglied ableisten musste darin, auf das Kreuz, das Symbol für den Tod Christi, zu spucken. Uneingeweihte Beobachter sollen sich von diesem Vorgehen verständlicherweise äußerst entsetzt gezeigt haben und der Vorwurf der Ketzerei bildete folgerichtig eine der Grundlagen für die spätere Vernichtung der Templer. So richtig passt der Vorwurf der Ketzerei aber nicht in das Bild, das die Tempelritter zu jener Zeit abgaben. Sie waren traditionell sehr gottesfürchtig - immerhin wurde der Orden nur zu dem Zweck ins Leben gerufen, den heiligen Tempel in Jerusalem vor den "Ungläubigen" zu schützen. Aus welchem Grund also sollten die Templer, die den Heiland einerseits so sehr verehrten, gleichzeitig sein Kreuz bespucken? Die Erklärung dafür ergibt sich aus einer interessanten Überlieferung.

Die Templer glaubten zu wissen, dass in den uns überlieferten Berichten über das Leben Jesus Christus - absichtlich oder versehentlich - die Geschichten zweier verschiedener Personen miteinander vermischt worden sind. So wurde nicht Jesus Christus ans Kreuz genagelt, sondern ein uns heute namentlich unbekannter Rebell, der sich gegen die römische Herrschaft erhoben hatte. Ihn verachteten die Templer ebenso sehr wie sie ihren Heiland verehrten. So läßt sich auch ihr ansonsten recht befremdlich anmutender Initiationsritus erklären. Der Historiker Charpentier geht davon aus, Johannes habe seinerzeit von einer ganz anderen Person gesprochen als die drei Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas. Ihre Berichte drehten sich um den uns heute unbekannten Rebellen, um einen selbsternannten Königs der Juden, der am Kreuz gestorben ist. Welches Ende der Heiland genommen hat, wird indes nicht überliefert.

Natürlich wirft auch diese Erklärung Fragen auf. Zum Beispiel danach, woher die Templer dieses Wissen bezogen haben sollen. Historiker halten es jedoch durchaus für denkbar, dass die Tempelritter in Jerusalem die Grundmauern des Tempels Salomos freilegten und dort Dokumente fanden, die das Rätsel um Jesus Christus aufklärten. Weshalb sie dieses Wissen nicht teilten, wird aber wahrscheinlich ihr Geheimnis bleiben. Auch in der Bruderschaft selbst sollen nur wenige Eingeweihte das Geheimnis um den echten und den falschen Jesus gekannt haben. Was durchaus verständlich wäre: Hätte die katholische Kirche von diesem Wissen erfahren, wäre den Templern ihre gnadenlose Verfolgung und Vernichtung sicher gewesen. Das Wissen geheim zu halten und ihm lediglich in Form einer Geste Ausdruck zu verleihen, war deshalb viel naheliegender.

Welchem Glauben man auch immer anhängen mag: Genießen wir das lange Wocheende - und die Ostereier. Apropos genießen: So langsam ist es jetzt auch Zeit für's Frühstück. Frohe Ostern!