Na wenn das mal keine erfreuliche Nachricht ist: Der Papst ist 80 und wird Jesus immer ähnlicher. Findet zumindest Kardinal Meisner. So sagte der verwirrte Alte furchtlose Hirte wörtlich: »Heiliger Vater, wenn Jesus 80 Jahre alt geworden wäre, dann würde er aussehen wie Du.« Na, wenn Jesus sich da mal nicht auf den Schlips, sorry, auf die Dornenkrone getreten fühlt! Was er von soviel Arschkriecherei Demut gehalten hätte, mag dahingestellt bleiben - jedenfalls steht wohl eines zweifelsfrei fest: Wenn Deutschland Papst ist und der Papst Jesus, dann dürfen wir uns allesamt in der wohligen Gewissheit sonnen, kollektiv der Gottes Sohn zu sein! Da kann ja nichts mehr schief gehen!
Das mag auch die katholische Kirche derzeit hoffen. Denn die entscheidet momentan darüber, ob der verstorbene Papst Johannes Paul II selig gesprochen werden soll oder nicht. Die Chancen stehen nicht schlecht. Immerhin soll der Gute noch nach seinem Tod eine senile Nonne von der parkinsonschen Krankheit geheilt haben. Gar nicht so schlecht - und das in seinem Zustand! Das ist sogar noch besser als das technische Missgeschick Wunder, dass die gute Mutter Theresa einst in den Kreis der Heiligen katapultiert hat. Immerhin brachte sie es nur auf ein läppisches "geheimnisvolles Leuchten" beim Betreten eines Krankenzimmers!
Bei so viel Phantasie in Bezug auf die Erfindung neuer Wundertaten fragt man sich - vorbereitend gewissermaßen - was man wohl Papst Benedikt andichten wird, sollte er in nicht all zu ferner Zukunft das Zeitliche segnen. Mein Vorschlag: Wie wäre es mit der postmortalen Heilung des ungeborenen Kindes einer unbefleckt trächtigen Nonne? Das wäre doch der Knaller - damit wäre Ratzi aber ein Ehrenplatz in den heiligen Reihen sicher! Wo er doch jetzt gewissermaßen eh Gottes verlorener (Zweit-)Sohn ist.
Doch immer langsam. Bis dahin ist es ja noch etwas Zeit. Genug Zeit zumindest für wahre Massen armer Irrer christlicher Pilger, die in ganzen Busladungen zu Ratzi's Geburtshaus gekarrt werden, nur um dieses - Kratzer für Kratzer - bis auf die Grundmauern abzutragen. Und sollte der Papst das Zepter lange genug in der Hand behalten, dann kommt, mit etwas Glück, vielleicht auch Meisner wieder zu Verstand. Der sagte nämlich auch: »Ich gehe vom Papst immer ein bisschen besser weg, als ich hingekommen bin.«
Wie viel besser das allerdings ist, bleibt fraglich. Immerhin erscheinen auch viele Aussagen des Papstes selbst in einem seltsam verklärten Licht. So etwa seine Ansichten bezüglich der Evolution. Diese, so Ratzinger, sei überhaupt nicht beweisbar. Den Naturwissenschaften, so führt Ratzinger aus, fehle die nötige Kompetenz, um diese Frage abschließend zu beantworten. Genau! Die Schöpfungsgeschichte der Kirche erscheint auch viel realistischer! Doch der Papst gesteht den Naturwissenschaften zumindest einen Lichtblick zu: Seiner Ansicht nach hätten sie »große Dimensionen der Vernunft erschlossen«. Woher er diese Weisheit hat, würde mich dann allerdings doch interessieren: Immerhin scheint der Vatikan davon weitgehend verschont geblieben zu sein. In diesem Sinne: Alles Gute!
Mittwoch, 18. April 2007
Wir sind Jesus!
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