Donnerstag, 13. September 2007

MacPhoria - Teil 1

Da steht er nun: klein, schwarz, matt. Keine Frage: Es gibt kaum einen Hersteller neben Apple, dem es gelingt, Technik so unglaublich sexy in sprichwörtlich Nichts zu verpacken. Keine Schnörkel, keine Buttons, keine Zierstreifen aus Chrom, nicht einmal ein Namenszug - nichts.

Ich muss gestehen, dass es mir genau so ging, wie wahrscheinlich vielen Windows-Benutzern: Ich war schon seit der Version 3.1 dabei und bin sozusagen mit dem Betriebssystem mitgewachsen - von einem kurzen Abstecher in die Welt von OS/2 abgesehen, der aufgrund des abgrundtief schlechten Marketings von IBM deutlich kürzer ausfiel, als mir lieb gewesen wäre. Als OS/2 tot, kalt und begraben war, kam ich also zurück zu Windows, zunehmend in der Annahme, dass es wirkliche Alternativen nicht gäbe. Da war zwar noch Linux, doch da es für dieses ansonsten beeindruckende Betriebssystem kaum ernsthafte Softwarelösungen für einen Designer gibt, war es nie eine wirkliche Option.

Und dann war da noch der Mac: der bewunderte, gelobte, unerreichbar scheinende Schwarm, irgendwie eine andere Welt, in der - sollte man den Berichten Glauben schenken - Milch und Honig flossen. Man musste sich nicht einmal sonderlich für diese Welt interessieren, um hier und dort, ganz dezent, auf Referenzen zu stoßen, die sie einem ins Gedächtnis riefen und einem ins Ohr zu raunen schienen: Da ist auch noch der Mac... William Gibson und Douglas Adams sind nur zwei Kreative aus der schreibenden Zunft, die in ihren Büchern und Artikeln immer wieder direkt auf den Über-Computer, den Rebellen neben Windows, Bezug nahmen. Und natürlich ist der Mac auch aus der Welt der Designer nicht wegzudenken - hier ist gewissermaßen sein Reich und bis vor einigen Jahren galt die Antwort "Windows" auf die Frage "Was für ein System benutzen Sie?" schon beinahe als Frevel.

Und da steht er nun: klein, schwarz, matt. Ich bin der Versuchung verfallen, habe klein bei gegeben und mich Hals über Kopf in eine neue Liebe gestürzt - ein Abenteuer gewissermaßen, heraus aus der langweilig gewordenen Windows-Welt. Mein neuer Schwarm ist ein MacBook - und ich muss ihn nicht einmal einschalten, um begeistert zu sein!

Zugegeben: Einen gewissen Kult-Faktor hat er schon, der Mac. Doch der war für mich nicht ausschlaggebend. Sonst hätte ich ihn mir wahrscheinlich schon vor 5 Jahren kaufen müssen. Nein, ich hatte vielmehr rein pragmatische Gründe. Windows Vista kam auf den Markt - bereits die 7. Inkarnation des Betriebssystems von Microsoft und damit durchaus ein Grund für die Annahme, dass es diesmal etwas Intuitiveres geben werde, etwas erwachseneres, homogeneres als das, was schon da war. Was es statt dessen gab, war ein verfehlter Ausflug in grafische Gestaltungswelten, die sich dem vorübergehend begeisterten Nutzer allerdings nur beim Kauf eines neuen Rechners erschließen sollten. Es ist schier unglaublich, wieviele Ressourcen Windows verschleudert, um völlig nutzlose Effekte darstellen zu können, die alle anderen Betriebssysteme - einschließlich Linux und OS-X - gewissermaßen nebenbei aus dem Ärmel schütteln. Ressourcen, die ich viel sinnvoller dafür verwenden könnte, dass mein Bildbearbeitungsprogramm schneller läuft. Was ich allerdings nicht kann, weil mein Betriebssystem Windows heißt.

Ganz abgesehen davon, dass Windows, selbst nach Jahren, die einfachsten Dinge nicht beherrscht. Nur um ein Beispiel zu nennen: Selbst unter OS/2 war es bereits vor 12 Jahren möglich, einen Text im Webbrowser zu markieren und ihn einfach auf den Desktop zu ziehen, um ihn dort abzulegen - etwa, um ihn zitieren zu können oder später zu lesen. OS/2 hat die Auswahl als das erkannt, was sie ist - ein Text, und legte sinnvollerweise automatisch eine Textdatei mit dem entsprechenden Ausschnitt an. Versuchen Sie dasselbe mal unter Windows! Oder besser: Lassen Sie's - es lohnt sich nicht! Was Sie tun müssen ist Folgendes: Sie markieren den gewünschten Text im Web-Browser, aktivieren mit der rechten Maustaste ein Kontextmenü, wählen hier "Markieren" aus und klicken anschließend auf den Desktop. Hier rufen Sie wieder mit der rechten Maustaste ein Kontext-Menü auf, was etwas dauern kann, weil Windows die für den Aufbau notwendigen Ressourcen schon irgendwo anders verbraten hat. Im Kontektmenü - so es denn erscheint - wählen Sie "Neu", dann "Textdatei". Diese erscheint nun auf Ihrem Desktop. Hier klicken Sie zunächst auf den Namen, um die Datei sinnvoll umzubenennen. Dabei müssen Sie darauf achten, nicht die Erweiterung .TXT zu überschreiben, denn sonst kann Windows mit der Datei nichts mehr anfangen. Sind Sie soweit gekommen, müssen Sie die neue Datei nich öffnen, den ausgewählten Text hineinkopieren, die Datei speichern und wieder schließen. Wie gesagt: Alles, was Sie bei richtigen Betriebssystemen tun müssen, ist Folgendes: Text markieren, Text auf den Desktop ziehen. Fertig.

Windows ist schön und gut. Es ist ganz nett. Es funktioniert meistens. Oft sogar zufriedenstellend. Aber seine soeben generalüberholte Fassade kann nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass es hoffnungslos veraltet ist, hoffnungslos inkonsistent und durchzogen von so vielen sich widersprechenden Standards, dass man jedesmal versucht ist sich zu bedanken, wenn das System erfolgreich gebootet hat. Es war einfach Zeit für etwas Neues, für etwas Anderes.

In dieser kleinen Reihe will ich meinen Umstieg auf das neue System verfolgen - mit seinen Höhen und seinen (hoffentlich seltenen) Tiefen. Viel Spaß beim Lesen!