Samstag, 15. Dezember 2007

Benedikt und die Chinesische Goldgrube

Wie es scheint, hat der Vatikan sein Herz für die Chinesische Regierung entdeckt. Das lassen zumindest die jüngsten Gedankengänge des Papstes vermuten. Wieso? Nun, die Sache ist diese:

Am 13. Dezember diesen Jahres wollte sich Papst Benedikt XVI. eigentlich mit dem Dalai Lama treffen. Eigentlich - denn in der Zwischenzeit erreichte den mächtigsten aller Christen ein Schreiben aus China, das zwar nicht wörtlich, aber dennoch unmißverständlich dazu rät, dieses Treffen noch einmal zu überdenken.

Und was tut Ratzi, der Oberhirte? Der allwissende Streiter um die Rechte der Menschen? Der Christlichste aller Christen? Er kneift, klemmt den Schwanz ein, schickt die Menschenrechte zum Teufel und sagt das Treffen mit dem Dalai Lama ab. Federico Lombardi, Sprecher des Vatikans, ging sogar so weit zu sagen, es habe sowieso nie eine offizielle Zusage gegeben. Wahrscheinlich ebenso wenig wie es die Evolution gegeben hat.

Doch warum sollte Ratzi vor den Chinesen kuschen? Was hat der Vatikan mit den Chinesen überhaupt zu tun? Die Antwort ist ganz einfach. China verfügt derzeit über etwa 1,3 Milliarden zumeist eher gering gebildeter Einwohner (17% der Chinesen können überhaupt nicht lesen oder schreiben), die derzeit noch nach der Pfeife der kommunistischen Regierung tanzen. Es gibt zwar eine christliche Staatskirche, doch der gehören gerade einmal 5 Millionen Chinesen an. Zudem lehnt sie die Autorität Roms ab. Für den Vatikan bedeutet dies: Sollten sich die Beziehungen zwischen chinesischer Zentralregierung und Vatikan irgendwann normalisieren, stünde in China ein riesiger Pool potentieller Schafe zur Verfügung - mehr als genug Nachwuchs für eine Kirche, der in der westlichen Welt immer mehr Anhänger davon laufen. Grund genug für Ratzinger offenbar, das Interesse der chinesischen Regierung höher zu achten als das des im indischen Exil lebenden Dalai Lama.

Unwichtig, könnte man jetzt sagen. Doch ganz so unwichtig auch wieder nicht, wirft es doch ein ziemlich zweifelhaftes Licht auf die christlichen Ambitionen, die sich der Staat Gottes so gern auf die Fahnen schreibt. Um diesen Hintergrund zu verstehen, sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass China in den Fünziger Jahren gewaltsam mit 100.000 Mann in Tibet einmarschiert ist. Im Jahr 1959 kam es in Lhasa, der Hauptstadt Tibets, zu einem Aufstand, der vom chinesischen Militär brutal unterdrückt wurde. Ein Vorgehen, dass von der gesamten Welt aufs Schärfste missbilligt wurde. In der Folge flohen 80.000 Tibeter - unter ihnen auch der Dalai Lama - nach Indien ins Exil. Die Gesamtversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete in der Folge mehrere Resolutionen, die die chinesische Besetzung Tibets verurteilten. Dennoch sieht China Tibet bis heute als chinesische Provinz an.

Während Mao's Kulturrevolution wurde der in Tibet vorherrschende Buddhismus zum Hauptangriffspunkt der Unterdrückung. Zwischen 1966 und 1976 wurden Hunderttausende Tibeter verhaftet, verschleppt, gefoltert und getötet. Mehr als eine Million Tibeter - rund ein Fünftel der Gesamtbevölkerung - starb in Folge der chinesischen Herrschaft an Folter und Hunger, durch Hinrichtung und auf andere Weise.

All das weiß natürlich auch der Papst. Er stand nun vor einem wirklich schwierigen Dilemma. So hätte er sich einerseits klar auf die Seite der Tibeter stellen können - was moralisch seine Pflicht gewesen wäre. Andererseits schien für den Vatikan die Aussicht auf die Goldgrube von Millionen potentieller Chinesischer Christen - irgendwann in ferner Zukunft - dann doch deutlich verlockender zu sein. Nach Kirchendogma kann der Papst bekanntlich den Anspruch der Unfehlbarkeit in moralischen Fragen für sich erheben. Schenkte man diesem Blödsinn tatsächlich Glauben, müsste man schon etwas verwundert sein darüber, für welche Seite er sich entschieden hat.