Montag, 21. September 2009

Was ist eigentlich Arbeit?

Was tun wir eigentlich, wenn wir arbeiten gehen? Mir ist das neulich durch den Kopf gegangen – während ich so da saß und eigentlich hätte arbeiten sollen – und ich habe mir überlegt, was das eigentlich bedeutet: arbeiten gehen. Und dabei fiel mir auf, dass Arbeit an sich eigentlich überhaupt nicht ausreichend gewürdigt wird - von der Entlohnung mal ganz zu schweigen. Nicht, dass das unbedingt etwas Neues wäre. Aber dennoch.

Was bedeutet es also, arbeiten zu gehen? Wir alle verfügen ja bekanntermaßen über genau ein Leben. Keins mehr, keins weniger. Also über eine bestimmte, endliche Zeit, die in eine Vielzahl kleinerer Zeitabschnitte unterteilt ist. Ungefähr wie bei Toastbrot in Scheiben: Ein großes Ganzes, das in viele kleinere Scheiben unterteilt ist. Mit dem Unterschied, dass das Leben mehr Scheiben hat - nämlich die Tage. Aber obgleich ihre Anzahl höher ist als zum Beispiel die Scheiben beim Toastbrot, ist sie dennoch begrenzt. Wenn ein Tag aus unserem Vorrat an Tagen vorbei ist, ist er weg und kommt nie wieder. Darin liegt ein weiterer, wichtiger Unterschied zum Toastbrot: wir können nämlich keine Scheiben nachkaufen. Ist ein Tag vorbei, ist unser Leben einen Tag kürzer und es gibt nichts, was wir daran ändern können. So weit so gut.

Nun fragen Sie sich natürlich: Was hat das Ganze jetzt mit Arbeit zu tun. Und ich antworte Ihnen: Eine ganze Menge! Was wir nämlich tun, wenn wir arbeiten gehen, ist Folgendes: Wir gehen hin und verkaufen Tage aus unserem Tagesvorrat. Der ja, wie wir wissen, begrenzt ist. Wir gehen also hin und verkaufen die Tage, die uns zur Verfügung stehen. Wir tun quasi gegen Entlohnung etwas anderes als das, was wir normalerweise mit unserem Tag tun würden, wenn wir die Möglichkeit hätten, uns frei zu entscheiden. Und das zumeist bei einer recht bescheidenen Entlohnung. Bei einem normalen deutschen Durchschnittsgehalt ist es doch so, dass das Geld ausreicht, um uns mit Nahrung, mit Unterkunft und vielleicht mit einer Transportmöglichkeit zu versorgen. Das heisst, wir können uns etwas zu essen kaufen, etwas zu trinken, die Miete, Strom und Auto bezahlen - und wenn der deutsche Durchschnittsverdiener sparsam ist, kann er sich etwas für den Urlaub zurück legen. Also für die Zeit, in der er tatsächlich das tun kann, was er tun würde, wenn er die Möglichkeit hätte, sich frei zu entscheiden.

Auf den Punkt gebracht, bedeutet das: Wir gehen zu einer fremden Person und sagen ihr: Hör zu. Ich habe hier einen Haufen Tage in meinem Leben und anstatt damit zu machen, was mir gefällt, mache ich an diesen Tagen alles, was du willst. Und alles was du dafür tun musst, ist dafür zu sorgen, dass ich an diesen Tagen nicht verhungere. Wir verschenken also quasi unser gesamtes Leben und als Gegenleistung erwarten wir lediglich, dass uns jemand vor dem Verhungern bewahrt. Und uns pro Jahr 3 Wochen Auszeit gewährt, in denen wir tun können, was wir wollen. Was eigentlich ja unser gutes Recht wäre, denn es geht ja schließlich um unsere Tage, die, zusammengenommen, unser Leben ausmachen. Von dem wir ja nur das eine haben. Ist das nicht verrückt?

Das Ganze ist eine Folge unseres Fortschritts. Früher war das anders. Wir konnten mit unseren Tagen tun was wir wollten. Wir mussten uns allerdings auch mit Nahrung versorgen und das konnte ganz schön zeitaufwändig sein. Aber dennoch konnten wir im Großen und Ganzen tun, was wir wollten. Eigentlich ist es gar nicht so fortschrittlich, dass wir diese Freiheit aufgegeben haben.

Und während ich noch so da saß und grübelte, fiel mir etwas anderes auf. In der modernen menschlichen Gesellschaft herrscht im Allgemeinen die Ansicht, dass es die Arbeitgeber sind, die uns als Arbeitnehmer mit Arbeit versorgen. Uns damit quasi etwas Gutes tun. Doch das stimmt, genau betrachtet, so nicht wirklich. Man kann das Ganze auch aus einer ganz anderen Perspektive sehen, wenn man denn möchte. So könnte man sich die Frage stellen: Was ist ein Arbeitgeber eigentlich? Ein Arbeitgeber ist ein Mensch, der – zum Beispiel – eine Idee für ein tolles Produkt hat, das er verkaufen könnte. Allerdings ist er selbst nicht in der Lage, es zu produzieren. Dafür braucht er Leute, die sich damit auskennen. Allein mit der Idee für ein Produkt, das sich verkaufen ließe, kann man schließlich nicht viel anfangen. Allein von der Idee könnte man nicht einmal die Butter auf dem Brot bezahlen. Das kann der Arbeitgeber nur, weil er Arbeitnehmer hat. Also Leute, die sich damit auskennen, seine Idee zu produzieren und sie tatsächlich zu verkaufen. Der Arbeitgeber bezahlt seine Arbeitnehmer also dafür, dass sie ihm helfen, seine Idee in die Realität umzusetzen. Ohne sie wäre er vollkommen aufgeschmissen. Ist es deshalb nicht vielmehr so, dass es die Arbeitnehmer sind, die dem Arbeitgeber einen Gefallen tun? Und sollten sie dafür nicht eigentlich angemessener entlohnt werden?

Samstag, 11. April 2009

Religionsunterricht - Freiheit für Berlin

Am 26. April sollen die Berliner in einem Volksbegehren entscheiden. Und zwar darüber, ob in den Berliner Schulen neben dem Fach Ethik auch das Fach Religion als Wahlpflichtfach gelehrt werden sollte. Der Verein "Pro Reli" rührt fleißig die Werbetrommel: "Mehr Freiheit für Berlin" heißt es, und "Toleranz fördern". Und auf der Website von Pro Reli steht "Moralisch begründetes Verhalten" ganz weit oben. Doch um was für eine Art Wahl geht es denn eigentlich?

Da haben wir auf der einen Seite den bereits an den Schulen gelehrten Ethikunterricht. Dieser soll dabei helfen, Schüler zu verantwortungsvollem und wertbewusstem Handeln zu erziehen. Ethik und Moral sind humanistische Anliegen, unabhängig von einer religiösen Anschauung. Beim Ethikunterricht geht es um elementare Fragen des menschlichen Lebens. Er soll eine Orientierungshilfe zum Weltverständnis geben, ohne dabei eine Unterscheidung zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen zu treffen.

Auf der anderen Seite haben wir den Religionsunterricht. Auch dieser soll den Kindern eine Orientierungshilfe an die Hand geben und Fragen zu unserer Existenz auf der Welt beantworten helfen. Und ebenso wie der Ethikunterricht soll der Religionsunterricht Kinder unterschiedlicher religiöser Anschauungen vereinen – ein Vorhaben, das allein hinsichtlich der zumeist hinreichend aggressiv vertretenen Unterschiede zwischen den großen Weltreligionen schwer umzusetzen sein dürfte. Der Religionsunterricht setzt eine – wie auch immer geartete – Konfessionsangehörigkeit zum Verständnis der vermittelten Inhalte voraus. Der Grundtenor muss also lauten: Es gibt keine Moral ohne Gott. Keine Ethik ohne Gott. Ohne Gott (in welcher Form auch immer) ist kein moralisches, kein menschliches (im philosophischen Sinne) Miteinander in der Gesellschaft möglich. Immerhin knapp 140 Millionen Opfer, die allein die römisch-katholische Kirche in ihrer Geschichte hinterlassen hat, könnten zu diesem Punkt gewiss etwas anderes sagen – wenn sie denn noch etwas sagen könnten. Kurz: Der Religionsunterricht soll unseren Kindern dieselben moralische und ethische Werte vermitteln wie der Ethikunterricht – nur mit Gott als ultimativer Antwort und einer Geschichte, die den Schluss nahelegt, die Kirche(n) selbst seien als Vermittler eben dieser Werte so wenig geeignet wie kaum eine andere Organisation.

Hinzu kommt: Jedes Fach, das an deutschen Schulen gelehrt wird, muss auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen beruhen. Das trifft auf den Physikunterricht zu, auf die Mathematik, auf den Deutschunterricht, auf die Biologie, ja sogar auf die Kunst. Aber auf die Religion? Die Religion an den Schulen als Alternative zum Ethikunterricht aufzustellen, wäre ungefähr dasselbe als würde man ernsthaft in Erwägung ziehen, als Alternative zum Physik-Unterricht das Märchen von Rotkäppchen und dem Bösen Wolf zu erzählen. Die wissenschaftlich fundierten Grundlagen beider "Geschichten" wären sich im Wesentlichen gleich. Doch welche Werte würden wir unseren Kindern damit vermitteln?

Pro Reli will mit seinem Religionsunterricht als Wahlpflichtfach das staatliche Monopol an den Berliner Schulen brechen. So schreiben sie es selbst auf ihrer Website. Doch verfassungsrechtlich ist das ein Problem, denn das staatliche Monopol an den deutschen Schulen ist vorgeschrieben. Es gibt in Deutschland eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Das ist so gewollt und das ist gut so. Aus diesem Blickwinkel betrachtet hat der Religionsunterricht an deutschen Schulen eigentlich überhaupt nichts verloren – und schon gar nicht als (Wahl-)Pflichtfach. Schulen sollen weltanschaulich neutral sein. Zwar hat sich Pro Reli das Wort "Neutralität" quasi auf die Stirn tätowiert, doch mal ernsthaft: Wie neutral kann Religion sein? Zwar werden "Gotteslästerer" heute nur noch in seltenen Fällen und an zumeist eher gottvergessenen (sorry) Orten auf der Welt gesteinigt, aber auch in Deutschland gibt es ausreichend Orte, an denen der Interessierte die Neutralität eifriger Religionsanhänger selbst erfahren kann. Und vielleicht kommt er sogar noch dazu, davon zu berichten.

Pro Reli will die freie Wahl. Die freie Wahl zwischen Religion und Ethik – übrigens eine interessante Wahlmöglichkeit, die mir gerade erst ins Auge fällt: Religion oder Ethik. Treffender könnte man es kaum ausdrücken, selbst wenn man es versuchte! Wichtig sei dabei, so Pro Reli, dass alle Glaubensrichtungen im Unterricht gleichermaßen vertreten seien. Es soll um ReligionEN gehen, nicht um eine bestimmte Religion. Sehen wir uns also einmal an, wer alles für Pro Reli seine Stimme erhebt:

Pro Reli – das sind "engagierte Bürger aus dem Berliner Raum". Zu denen, so steht es im gleichen Satz, natürlich auch Religionslehrer und -lehrerinnen gehören. Neben vielen anderen, versteht sich. Zu den Unterstützern zählt, gleich an erster Stelle, das Erzbistum Berlin, gefolgt von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Dann haben wir die Jüdische Gemeinde zu Berlin ind den Dachverband der Türkisch-Islamischen Union. So weit so gut. Alle vertreten. Aber dann geht es weiter: In der Folge erscheinen als Unterstützer von Pro Reli: Der Caritasverband für das Erzbistum Berlin, die Diakonie Berlin-Brandenburg, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter, der Evangelische Arbeitskreis der CDU, der CDU Landesverband Berlin, die Evangelische Kirche in Deutschland, die Deutsche Bischofskonferenz, der Bund katholischer Unternehmer, die Evangelische Jugend Berlin, die Evangelische Studierendengemeinde Berlin, der Bund der Deutschen katholischen Jugend im Erzbistum Berlin sowie die Katholische Elternschaft Deutschlands.

Fassen wir kurz zusammen: Pro Reli, deren Anliegen es ist, neutral moralische Werte in Form eines Religionsunterrichtes zu vertreten, wird unterstützt von 1 jüdischen Organisation, 1 türkisch-islamischen Organisation und - jetzt kommt der interessante Punkt - nicht weniger als 16 christlichen Organisationen, von denen 10 katholisch sind.

Da darf man sich schon die Frage, um was für eine Freiheit es für Berlin eigentlich gehen soll. Würde man Böses vermuten (was wir natürlich nicht tun), könnte man beinahe annehmen, die christlichen Kirchen, allen voran die Katholiken, würden Pro Reli und den Religionsunterricht als Wahlpflichtfach einfach dazu benutzen, einen Fuss in die Tür der staatlichen Schulen zu bekommen. Unter dem Mantel der Neutralität versteht sich. Wo diese Neutralität bliebe, wenn der Fuss erst einmal drin ist, wäre dann natürlich die nächste Frage. Doch deren Antwort wäre wahrscheinlich erst einmal irrelevant, sollte Pro Reli mit seinem Volksbegehren Erfolg haben.

Man muss sich also schon gut überlegen, wem man die ethische Erziehung seiner Kinder in die Hand geben will. Humanistisch, philosophisch ausgebildeten staatlichen Lehrern, die frei sind von religiösen Vorurteilen? Oder einer Organisation, die sich bei der Vertretung ihrer "menschlichen Weltanschauung" nicht gerade hervorgetan hat. Deren geistiges Oberhaupt noch heute Kondome als Teufelswerk bezeichnet und welches so starken ethische Werte vertritt, dass es als einer der letzten Staaten auf der Erde die Sklaverei abgeschafft hat – sogar noch nach England!


Interessante Links als Alternative zu pro-reli.de:
- Artikel zum Religionsunterricht beim Humanistischen Pressedienst: http://hpd.de/node/5397

Mittwoch, 10. September 2008

Die Kirche und die Menschliebe

Ich habe heute zufällig - wirklich zufällig - in die Sendung "Menschen bei Maischberger" hineingezappt und mir ist jetzt noch ganz schwindelig! Das war wie eine bizarre Zeitreise: 500 Jahre in nur ein paar Minuten. Wirklich mehr als man vertragen kann! Zu Gast waren Gloria Fürstin von Thurn und Taxis, von der ich bisher eigentlich keine so schlechte Meinung hatte, und Joachim Kardinal Meisner. Und beide saßen da, um ihre Buch "Die Fürstin und der Kardinal" zu besprechen. Besprochen wurde unter anderem die Liebe der Kirche zu den Menschen. Genauer gesagt: ihre Liebe zum Leben. Zum ungeborenen Leben. Denn beide, sowohl der Kardinal als auch die Fürstin, wurden nicht müde, vehement gegen die Abtreibung zu wettern, gegen künstliche Verhütung, gegen Kondome, gegen die Pille, gegen die gleichgeschlechtliche Ehe, sogar gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen.

Es ist ja ein alter Hut und eigentlich sollte es einen nicht mehr verwundern, aber ich bin immer wieder auf's Neue verblüfft darüber, wie sich ausgerechnet die katholische Kirche erdreisten kann, sich zur moralischen, ethischen Instanz in Fragen des Lebens zu erheben. Wirklich. Ist mir unbegreiflich. Wenn die Kirchenvertreter mit irgend etwas gesegnet sind, dann mit einem äußerst schwachen Gedächtnis. Immerhin hat sie sich die meiste Zeit ihrer fast zweitausendjährigen Geschichte nicht gerade von ihrer lebensbejahenden Seite gezeigt. Und das in einem Maße wie keine andere Institution, die jemals auf der Erde existiert hat. Es gibt verschiedene Organisationen, die sich eingehender mit dieser Thematik beschäftigt haben und es gibt Schätzungen, die einen Eindruck davon vermitteln, wie viel der katholischen Kirche am menschlichen Leben liegt. Diesen Schätzungen zufolge haben die katholische Missionsarbeit, die Inquisition, die Hexenverbrennungen und die Kreuzzüge nicht weniger als 132 Millionen Menschen das Leben gekostet. 132 Millionen - die übrigens teilweise auf überaus phantasievolle Weise in den Tod befördert wurden. Und das sind Schätzungen, die allein auf historisch belegten Zahlen basieren. Wie viele es wirklich waren, weiß kein Mensch. Aber nur mal so zum Vergleich: Deutschland hat heute gerade einmal 80 Millionen Einwohner. In ihrer Geschichte hat die katholische Kirche Deutschland also fast zweimal vollständig ausgerottet. Und da geht sie her und propagiert die Erhaltung des Lebens? Was für eine Schizophrenie ist das denn?

Nun könnte man anbringen - und Herr Kardinal Meisner hat dies auch tatsächlich getan - dass all dies vor mehr als 100 Jahren geschehen sei und heute nicht mehr passiert. Dafür entschuldigt, sich davon distanziert und die Geschehnisse verurteilt hat die Kirche bis heute allerdings nicht. Gut, Papst Johannes Paul II hat einmal etwas über die Inquisition gesagt. Etwas, das man kaum als Entschuldigung oder gar als Verurteilung gelten lassen kann. Er bat bezüglich der Inquisition um Vergebung: "Man sei mit exzessiver Härte vorgegangen". Mit exzessiver Härte! Die Inquisition an sich war also ganz okay so wie sie war, aber man hätte den Leuten wahrscheinlich eins über die Rübe hauen sollen, ehe man sie zerfleischte. Das die Inquisition an sich ein Fehler gewesen sei, sagte er nämlich nicht. Ich persönlich habe so meine Zweifel, dass sich die Ansichten der Kirche in diesen Fragen seither grundlegend verändert haben. Es wird heute einfach schwieriger zu erklären sein, weshalb man übermäßig geschwätzige Menschen unbedingt wie Schweine am Spieß bei lebendigem Leibe braten sollte. Darüber hinaus ist die Aussage Meisners schlichtweg falsch. Die gezielte Tötung von Menschen seitens der katholischen Kirche *in diesem Ausmaß* mag ein Ding der Vergangenheit sein, was aber nicht bedeutet, dass sie es in geringerem Umfang nicht immer noch tut - aktiv oder durch aktive Duldung. Oder wie bitte schön erklärt die Kirche die Existenz von Militärseelsorgern?

Militärseelsorger. Allein den Begriff muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Da gibt es auf der einen Seite die Kirche - die Organisation, die die Liebe Gottes predigt und dafür kämpft, ungeborenes Leben um jeden Preis zu schützen. Die Organisation, deren erstes Gebot lautet: Du sollst nicht töten. Und dann gibt es da die Armee - die Organisation, deren Sinn und Zweck es ist, aus welch hehren Gründen auch immer, Menschen zu töten. Besieht man sich das Ganze mit klarem Verstand, müsste man doch eigentlich annehmen, beides sei unvereinbar. Und trotzdem gibt es Militärseelsorger. Menschen der Kirche (die sagt: Du sollst nicht töten) in einer Organisation, die sich quasi mit nichts anderem beschäftigt. Ich meine, mal ehrlich: Gibt es da irgend einen geheimen Passus in "Du sollst nicht töten", den ich irgendwie nicht kenne? Gibt es eine vollstände Version des ersten Gebotes, das da lautet: "Du sollst nicht töten, außer Du wirst dafür bezahlt und die Leute, die Du umbringst, vertreten andere Werte als die, die uns genehm sind"? Wo fängt die Lebensliebe der Kirche denn an? Und wo hört sie auf?

Gut, die Kirche ist gegen die Tötung ungeborenen Lebens. Aber nicht nur das. Sie ist auch gegen die künstliche Verhütung. Denn jeder Mensch ist ja von Gott gewollt (außer, so darf man annehmen, die Menschen, die die Kirche höchst persönlich in den Tod getrieben hat. Die müssen offenbar irgendwo anders hergekommen sein). Wogegen sie allerdings nichts sagt, das muss man sich mal vorstellen, ist die natürliche Verhütung. Für die Kirche ist es also nicht okay, ein Kondom zu benutzen, um ein Spermium daran zu hindern, eine Eizelle zu befruchten. Es ist für sie aber okay, zum Beispiel per Coitus Interruptus zu verhindern, dass ein Spermium eine Eizelle befruchtet. Hallo? Kann mir mal bitte einer erklären, wo da der Unterschied ist? In beiden Fällen ist das Endergebnis doch exakt dasselbe. Aber die eine Methode ist okay, und die andere nicht. Ist doch irgendwie seltsam, oder?

Am verblüffendsten waren jedoch Vergleiche, die Frau von Thurn und Taxis hinsichtlich der Abtreibung und Hitler gezogen hat. Für sie ist der "Massenmord am ungeborenen Leben", der in unserer verrohten Gesellschaft stattfindet, exakt dasselbe wie der Massenmord, der unter Hitler stattfand. Doch dann frage ich mich: Woher der Sinneswandel innerhalb der katholischen Kirche? Mit den Nazis stand sie schließlich auf ziemlich gutem Fuße. Nicht wenige Menschen argumentieren gar, dass sie dem Judenhass und der folgenden Massenvernichtung unter Hitler erst die Bahn geebnet hat. Hitler selbst war zumindest dieser Ansicht. Er schrieb in "Mein Kampf": "Ich tue nur, was die Kirche seit fünfzehnhundert Jahren tut, allerdings gründlicher." Und da war er offenbar gut informiert, denn schon seit dem 5. Jahrhundert gab sich die katholische Kirche größte Mühe, den Juden (die zu ihrem Pech offenbar zu der Sorte Menschen gehörten, die nicht von Gott gewollt waren) die Liebe Gottes nahe zu bringen. Und zwar auf ziemlich exakt die gleiche Weise, die später auch die Nazis übernahmen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Im Jahr 538 beschloss die Synode von Orleans, dass Juden an christlichen Feiertagen nicht auf die Straße dürften. 681 befahl die 12. Synode von Toledo, jüdische Bücher zu verbrennen. 1179 beschloss das 3. Lateralkonzil, dass Juden Christen nicht vor Gericht bringen oder gegen sie als Zeugen aussagen dürften. Und im Jahr 1215 beschloss das 4. Lateralkonzil, dass Juden an ihrer Kleidung ein Unterscheidungszeichen tragen sollen. Hand hoch, wem da Ähnlichkeiten auffallen.

Doch es gab nicht nur Ähnlichkeiten. Die Unterstützung der katholischen Kirche war viel konkreter. Selbst Adolf Eichmann, einer der schlimmsten Verbrecher der Nazi-Diktatur, erinnerte sich 1961 wohlwollend und "in tiefer Dankbarkeit an die Hilfe katholischer Priester bei meiner Flucht aus Europa und entschied, den katholischen Glauben zu honorieren, indem ich Ehrenmitglied wurde."

Papst Pius XII wünschte übrigens wörtlich "dem Führer nichts sehnlicher als einen Sieg". Er antwortete damit auf die Frage, warum er nicht gegen die Judenverfolgung protestiert habe und führte aus: "Lieber Freund, vergessen Sie nicht, dass in den deutschen Heeren Millionen Katholiken sind. Soll ich sie in Gewissenskonflikte bringen?"

Nun könnte man Pius XII aus heutiger Sicht als verwirrten Narren bezeichnen. Könnte man. Wenn es da nicht den Anspruch der Kirche auf Unfehlbarkeit des Paptes gäbe. Der Kirchendoktrin entsprechend kann der Papst per natura nichts Falsches tun. Und das konnte, nach Ansicht der katholischen Kirche, aus Pius XII nicht.

Er ist aber nicht das einzige Beispiel. Während der Nazidiktatur gab es Konzentrationslager unter anderem auch in Kroatien. Hier wurden zwischen 1941 und 1943 etwa 750.000 orthodoxe Serben ermordet. Unter maßgeblicher Beteiligung katholischer Geistlicher und mit Billigung des Vatikans. Erbaut und betrieben wurden sie unter der Regierung von Ante Pavelic - einem Diktator und praktizierenden Katholiken, der regelmäßig bei Papst Pius XII Audienzen erhielt. Er betrieb sogar Konzentrationslager speziell für Kinder. Womit wir wieder beim Thema Kinderliebe wären. Alojzije Stepinac, damaliger Erzbischof von Zagreb, erteilte Pavelic für seine Arbeit seinen ausdrücklichen Segen. Im Jahr 1953, nachdem Pavelic wegen seiner Greueltaten 5 Jahre (von ursprünglich 16) Zwangsarbeit verbüßt hatte, erhob ihn Pius XII in den Kardinalsrang. Und noch Johannes Paul II bezeichnete ihn als "hervorragende und verehrungswürdige Gestalt". So verehrungswürdig, dass er ihn 1998 posthum selig sprach. Und wir erinnern uns an die Unfehlbarkeit des Papstes, richtig?

Ganz im Ernst: Was die katholische Kirche mit Menschenliebe zu tun haben soll, ist mir nicht begreiflich und ihr Anspruch auf eine ethische Führungsrolle in Fragen des menschlichen Lebens ist eine Anmaßung, die in ihrer Ungeheuerlichkeit wahrscheinlich nur schwer überboten werden kann.

Eines der Schlussworte der Fürstin war ihre Antwort auf die Frage, was sie tun würde, wenn sie Kardinal wäre (eine Frage, die den Patriarchen Meisner bestimmt eine Woche lang nicht schlafen lassen wird). Sie antwortete: Hexenverbrennung. Wohl aus Scherz. Haha. Ihre Antwort darauf, wen sie verbrennen würde, lautete: Mich selbst. Wohl auch aus Scherz. Ich kann nur sagen: meinen Segen hat sie.

Sonntag, 3. August 2008

Schäuble verordnet Ruhe bei den olympischen Spielen

Man wagte kaum seinen Ohren zu trauen, als EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering am Samstag die Teilnehmer der Olympischen Spiele dazu aufforderte, gegen die Menschenrechtsverletzungen in China zu protestieren. Sollte er das tatsächlich gesagt haben? Wo doch europäische Politiker sonst eher dazu aufriefen, die olympische Idee nicht durch Geistesgegenwart zu trüben. Wörtlich bezeichnete Pöttering, es als "Pflicht, jetzt das tibetische Volk, das sein kulturelles Überleben verteidigt, nicht zu vergessen".

Unser landeseigener Oberspitzel Innenminister, Wolfgang Schäuble, hingegen sieht das offenbar ganz anders und warnt davor, die Spiele in China durch unüberlegten Protest gegen Menschenrechtsverletzungen zu stören. Ich muss sagen, mir ist Schäuble's Politik in diesem Punkt nicht so ganz verständlich. Mal ganz ehrlich. Wir sprechen hier von dem Mann, der Spionagesoftware auf jedem Computer in Deutschland einschleusen möchte (nun ja, nicht wirklich auf jedem einzelnen, aber zumindest auf jedem X-beliebigen Computer, den er als durchleuchtungswürdig erachtet), ohne dass deren Besitzer auch nur eine Ahnung davon haben, nur mit dem Zweck, eine Handvoll Terroristen zu schnappen, von denen er nicht einmal weiß, ob sie wirklich existieren. Und hier hat er eine ganze Bande von Terroristen - quasi sogar mit Namen und Anschrift - und möchte am liebsten, dass ganz Deutschland ihnen zujubelt. Das soll mir mal einer erklären!

Gut, zugegeben: die olympischen Spiele sind nicht per se eine politische Veranstaltung. Aber das bedeutet ja nicht, dass Politik bei den Spielen nichts verloren hat. Ich meine, stellen wir uns doch einmal vor, wir hätten das Jahr 1936, die Spiele würden in Hitler-Deutschland stattfinden und Schäuble wäre Innenminister. So schräg ist der Vergleich an sich gar nicht. Immerhin war Deutschland 1936 eine Quasi-Diktatur - genauso wie China heute eine Quasi-Diktatur ist. Es gibt nur einen kleinen Unterschied: Deutschland hatte 1936 noch kein anderes Land okkupiert und dessen Bevölkerung dezimiert - China hingegen schon. Da sind sie uns gewissermaßen schon meilenweit voraus. Mich würde mal interessieren, ob Schäuble damals dieselbe Meinung vertreten hätte. Hätte er 1936 auch davor gewarnt, gegen mögliche Menschenrechtsverstöße seitens der Naziregierung zu protestieren, nur um die Spiele nicht zu politisieren? Was hätte er damals wohl gesagt? "Ja, gut, Hitler ist gerade drauf und dran, die Juden aus Deutschland zu vertreiben und bezeichnet sie als parasitäre Rasse. Aber bedenkt die Erfolge jahrelanger Vorbereitung! Die sollte man nun wirklich nicht durch Regelverstöße zerstören."

Dass die Olympische Charta politische Stellungnahmen verbietet, mag durchaus sinnvoll sein, doch sollte man sich die Frage stellen, was den Menschen - und den Politikern, die ja in gewisser Hinsicht mit dazu gehören - wichtiger ist: die Einhaltung von Regeln einer sportlichen Veranstaltung oder die Einhaltung von Menschenrechten, bei denen es nicht bloß um Medaillen geht, sondern um Leben und Tod.

Freitag, 21. März 2008

Zwei Stunden, um aufzuwachen

Was beschäftigt die Welt zur Zeit am Meisten? Oder: Was beschäftigt uns Deutsche zur Zeit am Meisten? Es gibt, neben Flocke und Knut, im Augenblick nur einige wenige Themen in den Medien, die immer und immer wieder auf uns einprasseln: der weltweite Terror und der Krieg gegen den Terror, die Bildungslücken der Deutschen und die Angst vor persönlichen Bedrohungen, wie etwa durch Arbeitslosigkeit, Überschuldung oder Gewalt. Oh, und natürlich die Beschränkung unserer persönlichen Freiheit, die allerdings weniger auf uns hereinprasselt, sondern eher so nebenbei mit durchsickert. Könnte da vielleicht ein Zusammenhang bestehen?

Auf den ersten Blick ist schwer vorstellbar, was Jugendliche, die nicht lesen können oder Erwachsene, die ihr gesamtes Wissen aus der BILD beziehen, mit Terroranschlägen zu tun haben könnten. Und dennoch ist genau das der Fall. Es ist allerdings nicht so, dass gering Gebildete hingehen würden, um im heimischen Keller Bomben zu bauen, um damit irgendwelche Gebäude in die Luft zu sprengen. Das müssen sie auch gar nicht. Sie müssen einfach nur ungebildet genug sein, zu glauben, dass andere das tun. Oder tun wollen. Denn dann ist es ganz einfach ihnen zu sagen: "Eure Regierung will euch davor schützen. Und um das tun zu können, müssen wir eure Telefongespräche aufzeichnen. Und wir müssen auch auf eure Computer, ohne dass ihr etwas davon merkt. Um euch vor bösen Terroristen schützen zu können. Und übrigens: Ist Knut nicht total super knuddelig süß?"

Deutschland hat ein Bildungsproblem. Und das hat Deutschland schon seit Jahren. Und auch nicht nur Deutschland. Wir stehen noch vergleichsweise gut da. Und dennoch ist es ein Problem. Eines, das auch unserer Regierung bekannt ist - und unseren Medien. Es wird schon seit Jahren versucht, den "Grund" dafür herauszufinden. Sind die Lehrer schuld? Die sozialen Umstände? Die Frage, ob eine Lehrerin im Unterricht ein Kopftuch tragen darf oder nicht? Sind die Schüler desinteressiert? Oder einfach nur blöd? Liegt es an den Ausländern? Es gibt Dutzende Spekulationen, was der Grund für die Bildungsmisere sein könnte und in den Medien wird viel diskutiert. Aber es wird nie eine Lösung gefunden. Es gibt keine Antwort. Die Bildungskrise ist ein großes Problem für unseren Staat. Und bei großen Problemen tut der Staat doch alles, was in seiner Macht steht, um es zu beseitigen, richtig? Das Bildungsproblem beseitigt der Staat allerdings nicht - es wird immer schlimmer. Und die Mittel, die der Staat investiert, um es zu lösen, werden immer weniger. Es hat fast so den Anschein, als wäre dem Staat das Problem gar nicht so wichtig. Da kann man sich doch fragen: Vielleicht ist die Bildungskrise für den Staat gar kein Problem? Vielleicht ist die immer geringere Bildung seiner Bevölkerung für den Staat vielleicht sogar ganz nützlich. Denn je weniger wir von den Zusammenhängen in unserer Welt wissen, desto eher gelingt es dem Staat, uns irgend welchen Blödsinn zu erzählen, um so unsere Entscheidungen zu beeinflussen. Damit wir genau das tun, was der Staat von uns will. Und zwar freiwillig.

Weit her geholt? Nicht wirklich. Nehmen wir nur einmal Schäuble und seinen Überwachungsstaat. Erst kürzlich wurde ein Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung verabschiedet, welches dem Staat erlaubt, alle unsere Telefonate zu speichern - wann wir wie lange mit wem telefoniert haben und wo wir uns in dem Augenblick befanden. Sechs Monate lang. Auch unsere Internetzugriffe werden gespeichert: Welche Websites sehen wir uns an? Wann waren wir wie lange und wo im Internet? Was haben wir uns angesehen? Was haben wir gelesen? Alles das weiß der Staat - über jeden einzelnen von uns. Egal, ob wir je auch nur einen Strafzettel bekommen haben oder nicht. Und wozu? Um uns vor der Terrorgefahr zu schützen! Vor der Bedrohung durch islamische Fundamentalisten. Vor Bomben in Bussen und Bahnen. Damit wir uns auch weiter sicher auf die Straße begeben können. Dabei gab es in Deutschland noch nicht einmal einen einzigen Anschlag. Es gibt nur unsere Regierung, die uns weismachen will, dass es eine Bedrohung gibt. Und da wir zu blöd und zu uninformiert sind, um uns unser eigenes Bild zu machen, glauben wir das - und lassen brav die Hose runter.

Es gibt ja auch viel wichtigere Dinge, um die wir uns kümmern müssen. Ganz andere Dinge, die uns interessieren. Wir sehen uns lieber an, was bei Richter Hold wieder los ist, wie Bayern München spielt, wer Germany's Next Top Model wird oder amüsieren uns über den Blödsinn, den Dieter Bohlen von sich gibt. Ist ja auch viel spannender als unsere Persönlichkeitsrechte. Vielleicht haben wir aber auch echte Probleme: Vielleicht hat unser Arbeitgeber gerade wieder 2.000 Mann entlassen, obwohl er blendende Gewinne eingefahren hat. Vielleicht müssen wir uns um einen neuen Job kümmern? Vielleicht rauben unsere Schulden uns jeden klaren Gedanken: Es gibt eine Menge Dinge, die uns davon abhalten, über unseren Tellerrand hinaus zu schauen und uns mit unseren wirklichen Problemen zu befassen. Zufall?

Alle großen Medien in Deutschland - und das ist wichtig - sind in privater Hand. Mit Ausnahme der "Öffentlich Rechtlichen" - und die gehören quasi der Regierung. Das heißt nichts anderes, als dass es bei jedem großen Fernsehsender und bei jeder großen Zeitung eine Person oder eine Gruppe von Personen gibt, die bestimmen, was wir zu sehen bekommen und was nicht. Alles, was wir wissen, alles, was wir erfahren, wird von diesen Personen kontrolliert. Und noch wichtiger: Alles, was wir NICHT wissen. Denn das erfahren wir ganz einfach nicht. Obwohl es für eine wirklich gute Entscheidung vielleicht ganz wichtig wäre. Wenn wir wüssten, dass man irgend eine Schweinerei mit uns plant, würden wir uns ja dagegen wehren. Aber wir erfahren es nicht.

Doch wozu das alles? Warum sollten uns irgendwelche Firmen verblöden wollen? Warum sollte uns der Herausgeber der BILD verblöden wollen? Die Antwort ist ganz einfach: Sie wollen uns kontrollieren. Sie wollen nicht, dass wir zu viel denken. Schon gar nicht daran, was sie so vorhaben könnten. Sie wollen, dass wir uns gefälligst mit den Themen beschäftigen, die sie uns vorsetzen - wie irrelevant sie auch sein mögen. Und warum sollte unsere Regierung da mitspielen? Was hätte unser Staat davon? Gar nichts. Unsere Regierung hätte gar nichts davon. Nicht als Gruppe von zumeist ziemlich planlosen Politikern. Was man allerdings nicht vergessen sollte ist, dass Politiker nicht nur Politiker sind. Die meisten von ihnen haben noch ganz andere Funktionen in verschiedenen Unternehmen und Gruppierungen. Und als solche natürlich ganz andere Interessen. Nehmen wir zum Beispiel Otto Schily - den Vorgänger von Wolfgang Schäuble. Auch er hat sich für den Überwachungsstaat stark gemacht und biometrische Ausweise für jeden Bundesbürger gefordert. Heute arbeitet Schily im Vorstand von gleich zwei Biometrie-Unternehmen, die Hard- und Software für die Herstellung von Ausweispapieren, Chips und Techniken zur Personenidentifizierung produzieren. Zufall? Ich möchte gar nicht wissen, was Schäuble später so plant, mit den Daten, die er schon jetzt über uns zu sammeln beginnt.

Doch was ist eigentlich so schlimm an Datensammlung? Vielleicht haben wir gar nichts angestellt, was man uns vorwerfen könnte. Es kann doch jeder wissen, mit wem wir telefonieren. Ist doch nicht schlimm. Oh doch, ist es.

Derzeit gibt es nichts weiter als unser Grundgesetz, das uns davor schützt, dass jeder x-Beliebige daherkommen kann, um Einblick in unsere Daten zu verlangen. Momentan können wir uns nicht recht sicher fühlen. Solange wir nichts anstellen, kann (offiziell) niemand an die Daten heran, die der Staat über uns speichert. Doch es bedarf nur einer klitzekleinen Änderung am Grundgesetz und die ganze Geschichte sieht ganz anders aus. Schon könnte sich unser Arbeitgeber darüber informieren, ob wir chronische Krankheiten, bestimmte sexuelle Vorlieben oder Interessen haben, die ihm nicht passen. Noch vor dem Bewerbungsgespräch wüsste er alles über uns - bis hin zu unserem Lieblingsessen oder dem Gespräch, das wir kürzlich mit einem Freund über ihn geführt haben. Aber das ist noch lange nicht alles. Jeder könnte sich über uns informieren: Jede Bank, jedes Geschäft, jede Versicherung, jedes Bundesamt, das Finanzamt - jeder, der sich dafür interessiert, was wir so treiben. Und dass Gesetzesänderungen kein Ding der Unmöglichkeit sind, beweist uns unsere Regierung mit ungebrochenem Elan.

Aber das ist noch lange nicht alles: Stellen wir uns einfach mal vor, es gäbe einen Regierungswechsel. Stellen wir uns vor, irgend eine neue Regierung in der Zukunft wäre nicht so "freundlich", so "demokratisch" wie unsere jetzige. Auch diese Regierung hätte Zugang zu all unseren Daten.

Denken wir uns einen Schritt in die Zukunft! Viele von uns waren sicher schon in Foren oder irgendwo in einer Internet Community. Und einige von uns haben sich dort sicher schon kritisch geäußert. Irgend etwas gesagt, was den Betreibern der Community nicht passt. Wie schnell ist ein solcher Beitrag dann verschwunden. Oder wir haben plötzlich keinen Zugang mehr. Stellen wir uns das doch einmal in der realen Welt vor. Heute ist es nur der biometrische Ausweis. In Zukunft wird es der RFID-Chip sein, der alle Informationen über uns enthält: Unseren Ausweis, unsere Geldkarte, unseren Führerschein, unsere Krankenkarte. All das, was jetzt unsere Papiere sind wäre auf einem einzigen Chip, der seine Informationen per Funk preisgibt - und sich per Funk abschalten läßt. Nehmen wir nun einmal an, es gäbe tatsächlich eine Regierung, die weniger "demokratisch" ist als unsere jetzige. Würden wir eine solche Regierung kritisieren oder uns gar öffentlich gegen sie stellen, wäre es nichts mehr als ein Knopfdruck und sie könnte unseren RFID-Chip einfach abschalten. Mehr nicht. Plötzlich stünden wir ohne Identität da. Ohne Ausweis. Ohne Krankenversicherung. Ohne Konto. Ohne Wohnung. Ohne Eigentum. Ohne Stimme. Wir wären faktisch nicht mehr präsent. Wir könnten nichts einkaufen, nicht wohnen, nicht wählen, nicht arbeiten, nicht an der Gesellschaft teilnehmen. Klingt utopisch? Ist es aber nicht. Alles, was dazu notwendig ist, existiert bereits - dank unserer freundlichen Regierung. Hätte eine Gruppe von Mächtigen das Interesse, so etwas durchzusetzen, müsste sie uns nur weiterhin verblöden und manipulieren, damit wir sie an die Macht bringen - und während dessen fleissig Daten sammeln.

Reine Panikmache? Ganz und gar nicht. Wir müssen gar nicht so lange zurück denken, um Beispiele dafür zu finden, dass Regierungen und Organisationen genau das bereits getan haben. Erst vor 70 Jahren - gar nicht so lange her - haben die Nazis ein ganzes Volk dazu gebracht, einen völlig Verrückten zum Staatsherrn zu wählen und gegen die ganze Welt in den Krieg zu ziehen. Und die Regierung der USA hat ihr ganzes Land dazu gebracht, einen Krieg wegen "atomarer Waffen" anzuzetteln, die es gar nicht gibt. Die katholische Kirche macht Millionen von Menschen Glauben, es gäbe einen unsichtbaren Mann im Himmel. Und unsere eigene Regierung erzählt uns jeden Tag, wir würden von Terroristen bedroht. Wir sollten uns wirklich fragen, wozu. Und etwas dagegen tun, solange wir es noch können.

Übrigens: Wer mehr darüber wissen möchte, wie wir schon heute fleißig manipuliert werden, sollte sich ZEITGEIST ansehen - und damit kommen wir auch schon wieder zum Titel dieses Eintrags. ZEITGEIST ist ein zweistündiger Film, der sich auf jeden Fall lohnt. Er kann kostenlos heruntergeladen werden!

Der Film auf Deutsch: http://infokrieg.tv/zeitgeist_deutsch.html
Informationen auf Englisch: http://www.zeitgeistmovie.com/


Samstag, 15. Dezember 2007

Benedikt und die Chinesische Goldgrube

Wie es scheint, hat der Vatikan sein Herz für die Chinesische Regierung entdeckt. Das lassen zumindest die jüngsten Gedankengänge des Papstes vermuten. Wieso? Nun, die Sache ist diese:

Am 13. Dezember diesen Jahres wollte sich Papst Benedikt XVI. eigentlich mit dem Dalai Lama treffen. Eigentlich - denn in der Zwischenzeit erreichte den mächtigsten aller Christen ein Schreiben aus China, das zwar nicht wörtlich, aber dennoch unmißverständlich dazu rät, dieses Treffen noch einmal zu überdenken.

Und was tut Ratzi, der Oberhirte? Der allwissende Streiter um die Rechte der Menschen? Der Christlichste aller Christen? Er kneift, klemmt den Schwanz ein, schickt die Menschenrechte zum Teufel und sagt das Treffen mit dem Dalai Lama ab. Federico Lombardi, Sprecher des Vatikans, ging sogar so weit zu sagen, es habe sowieso nie eine offizielle Zusage gegeben. Wahrscheinlich ebenso wenig wie es die Evolution gegeben hat.

Doch warum sollte Ratzi vor den Chinesen kuschen? Was hat der Vatikan mit den Chinesen überhaupt zu tun? Die Antwort ist ganz einfach. China verfügt derzeit über etwa 1,3 Milliarden zumeist eher gering gebildeter Einwohner (17% der Chinesen können überhaupt nicht lesen oder schreiben), die derzeit noch nach der Pfeife der kommunistischen Regierung tanzen. Es gibt zwar eine christliche Staatskirche, doch der gehören gerade einmal 5 Millionen Chinesen an. Zudem lehnt sie die Autorität Roms ab. Für den Vatikan bedeutet dies: Sollten sich die Beziehungen zwischen chinesischer Zentralregierung und Vatikan irgendwann normalisieren, stünde in China ein riesiger Pool potentieller Schafe zur Verfügung - mehr als genug Nachwuchs für eine Kirche, der in der westlichen Welt immer mehr Anhänger davon laufen. Grund genug für Ratzinger offenbar, das Interesse der chinesischen Regierung höher zu achten als das des im indischen Exil lebenden Dalai Lama.

Unwichtig, könnte man jetzt sagen. Doch ganz so unwichtig auch wieder nicht, wirft es doch ein ziemlich zweifelhaftes Licht auf die christlichen Ambitionen, die sich der Staat Gottes so gern auf die Fahnen schreibt. Um diesen Hintergrund zu verstehen, sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass China in den Fünziger Jahren gewaltsam mit 100.000 Mann in Tibet einmarschiert ist. Im Jahr 1959 kam es in Lhasa, der Hauptstadt Tibets, zu einem Aufstand, der vom chinesischen Militär brutal unterdrückt wurde. Ein Vorgehen, dass von der gesamten Welt aufs Schärfste missbilligt wurde. In der Folge flohen 80.000 Tibeter - unter ihnen auch der Dalai Lama - nach Indien ins Exil. Die Gesamtversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete in der Folge mehrere Resolutionen, die die chinesische Besetzung Tibets verurteilten. Dennoch sieht China Tibet bis heute als chinesische Provinz an.

Während Mao's Kulturrevolution wurde der in Tibet vorherrschende Buddhismus zum Hauptangriffspunkt der Unterdrückung. Zwischen 1966 und 1976 wurden Hunderttausende Tibeter verhaftet, verschleppt, gefoltert und getötet. Mehr als eine Million Tibeter - rund ein Fünftel der Gesamtbevölkerung - starb in Folge der chinesischen Herrschaft an Folter und Hunger, durch Hinrichtung und auf andere Weise.

All das weiß natürlich auch der Papst. Er stand nun vor einem wirklich schwierigen Dilemma. So hätte er sich einerseits klar auf die Seite der Tibeter stellen können - was moralisch seine Pflicht gewesen wäre. Andererseits schien für den Vatikan die Aussicht auf die Goldgrube von Millionen potentieller Chinesischer Christen - irgendwann in ferner Zukunft - dann doch deutlich verlockender zu sein. Nach Kirchendogma kann der Papst bekanntlich den Anspruch der Unfehlbarkeit in moralischen Fragen für sich erheben. Schenkte man diesem Blödsinn tatsächlich Glauben, müsste man schon etwas verwundert sein darüber, für welche Seite er sich entschieden hat.

Dienstag, 11. Dezember 2007

MacPhoria III

Nun ist es bereits einige Monate her, seit ich mein MacBook zum ersten Mal eingeschaltet habe - Zeit für ein kleines Resümee.

Der Umstieg von Windows XP auf Mac OS X war absolut reibungslos - schon beinahe unspektakulär. Zwar unterscheiden sich beide Systeme hinsichtlich ihrer Bedienung stellenweise recht deutlich, doch der Mac gibt keine Fragen auf und jede Funktion läßt sich schnell finden und ausführen. Sollte das einmal nicht der Fall sein, hilft die Suchfunktion von Spotlight weiter.

Die Grundfunktionen, wie das Öffnen und Schließen von Fenstern, Kopieren, Verschieben und Löschen, sind bei beiden Systemen nahezu identisch. Anfangs ist es zwar etwas verwirrend, wenn einem der Mac beim Drücken der Eingabetaste auf einem Icon anbietet, die entsprechende Datei umzubenennen anstatt sie zu öffnen, doch schnell kommt man hinter die Vorzüge dieser Vorgehensweise. Denn so lassen sich das Dateien blitzschnell mit anderen Namen versehen, ohne das man dafür die Maus nutzen oder eine Tastenkombination bemühen müsste. Clever ist auch, dass der Mac automatisch fortlaufende Namen vergibt, wenn bereits Dateien oder Ordner mit fortlaufenden Namen vorhanden sind und man einen von ihnen kopiert.

Unter „Leopard“, der neuesten Version von Mac OS X lässt sich zudem fast jeder Dateityp blitzschnell über die Leertaste zur Ansicht öffnen - ohne dass erst das dazu gehörige Programm gestartet werden muss.

Zu guter Letzt konnte ich mich doch noch mit dem 1-Tasten Tochpad meines MacBook anfreunden. Mittlerweile habe ich mich daran so gewöhnt, dass mir die 2-Tasten-Variante von Windows-basierten Laptops ziemlich unkomfortabel erscheint. Das Besondere beim MacBook Touchpad liegt nämlich darin, dass es mehrere Fingerberührungen erkennt. So verhält sich das Touchpad anders, wenn es mit einem Finger bedient wird als wenn man zwei Finger benutzt. Beispiel: Ziehe ich einen Finger über das Touchpad, kann ich den Mauszeiger über den Bildschirm bewegen. Führe ich dieselbe Bewegung mit zwei Fingern aus (z.B. Zeige- und Mittelfinger gleichzeitig), kann ich den Inhalt des aktuellen Fensters scrollen. Möchte ich einen Links-Klick ausführen, bewegen ich den Mauskursor mit einem Finger über das entsprechende Icon und betätige die Maustaste. Für einen Rechtsklick lege ich einfach den zweiten Finger ebenfalls aufs Touchpad und klicke dieselbe Taste. Der Vorteil liegt ganz einfach darin, dass der Finger, welcher die Taste bedient, immer auf derselben Taste bleiben kann (es gibt ja auch nur eine), während sie bei Windows-Laptops ständig zwischen beiden Tasten hin und her springt, um einen Links- bzw. Rechtsklick auszuführen.

Um die Übergangsphase von Windows zum Mac zu überbrücken, ohne zwei Monitore, Tastaturen und Mäuse zu brauchen, hatte ich auf meiner Windows-Maschine einen VNC-Server installiert - nebst VNC-Client auf dem Mac. Auf diese Weise kann ich, wenn immer es notwendig ist, auf den PC zugreifen, so als säße ich tatsächlich davor. Allerdings war das einzige Programm, das ich in den vergangenen Monaten auf diese Weise genutzt habe, meine Buchhaltung. Hier gibt es auf dem Mac offenbar noch nichts Adäquates.

Ein Umstand, der mich wirklich verblüfft hat, ist die riesige Auswahl an Shareware und Public Domain Software für Mac OS X. Wie wahrscheinlich viele andere hatte ich die Apple-Plattform immer für etwas elitär gehalten - teures Spielzeug für Nutzer, die sich um den Preis der zu installierenden Software wahrscheinlich auch keine Gedanken machen. Doch dem ist nicht so. Von professionellen Geschäftslösungen über komplette Grafikprogramme, Layout-Programme bis hin zu Spielen und Systemwerkzeugen findet man im Mac Shareware- und Freeware-Regal fast alles, was man so braucht. So gut wie alle Programme, egal ob kommerziell oder kostenlos, werden gut und in kurzen Intervallen gepflegt. Die Updates kommen meist automatisch, so dass man sich nicht um die Aktualisierung kümmern muss. So lobe ich mir das!

Donnerstag, 29. November 2007

Papst Wendehals

Für die Katholiken ist der Papst die höchste Authorität auf Erden - direkter Vertreter Gottes und somit nur Gott selbst unterstellt. Doch wenn das tatsächlich so ist, dann scheint Gott aus China zu kommen. Was mich angesichts all der Dinge, die mittlerweile ebenfalls aus China kommen, nicht wundern würde. Andernfalls wären Ratzi’s jüngste Gedankengänge nur schwer zu verstehen - oder sollten sie doch eher von weltlichen denn von geistlichen Einflüssen geprägt sein? Wieso? Nun, die Sache ist diese:

Am 13. Dezember diesen Jahres wollte sich Papst Benedikt XVI. eigentlich mit dem Dalai Lama treffen. Eigentlich - denn in der Zwischenzeit erreichte den mächtigsten aller Christen ein Schreiben aus China, das zwar nicht wörtlich, aber dennoch unmißverständlich dazu rät, dieses Treffen noch einmal zu überdenken.

Und was tut Ratzi, der Oberhirte? Der allwissende Streiter um die Rechte der Menschen? Der Christlichste aller Christen? Er kneift, klemmt den Schwanz ein, kuscht vor der chinesischen Regierung, schickt die Menschenrechte zum Teufel und sagt das Treffen mit dem Dalai Lama ab. Federico Lombardi, Sprecher des Vatikans, ging sogar so weit zu sagen, es habe sowieso nie eine offizielle Zusage gegeben. Wahrscheinlich ebenso wenig wie es die Evolution gegeben hat.

Doch warum sollte Ratzi vor den Chinesen kuschen? Was hat der Vatikan mit den Chinesen überhaupt zu tun? Die Antwort ist ganz einfach. China verfügt derzeit über etwa 1,3 Milliarden zumeist eher gering gebildeter Einwohner (17% der Chinesen können überhaupt nicht lesen oder schreiben), die derzeit noch nach der Pfeife der kommunistischen Regierung tanzen. Es gibt zwar eine christliche Staatskirche, doch der gehören gerade einmal 5 Millionen Chinesen an. Zudem lehnt sie die Autorität Roms ab. Für den Vatikan bedeutet dies: Sollten sich die Beziehungen zwischen chinesischer Zentralregierung und Vatikan irgendwann normalisieren, stünde in China ein riesiger Pool potentieller Schafe zur Verfügung - mehr als genug Nachwuchs für eine Kirche, der in der westlichen Welt immer mehr Anhänger davon laufen. Grund genug für Ratzinger offenbar, das Interesse der chinesischen Regierung höher zu achten als das des im indischen Exil lebenden Dalai Lama.

Unwichtig, könnte man jetzt sagen. Doch ganz so unwichtig auch wieder nicht, wirft es doch ein ziemlich zweifelhaftes Licht auf die christlichen Ambitionen, die sich der Staat Gottes so gern auf die Fahnen schreibt. Um diesen Hintergrund zu verstehen, sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass China in den Fünziger Jahren gewaltsam mit 100.000 Mann in Tibet einmarschiert ist. Ein Vorgehen, dass von der gesamten Welt missbilligt wurde. Die Gesamtversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete in der Folge mehrere Resolutionen, die die chinesische Besetzung Tibets verurteilten. Dennoch sieht China Tibet bis heute als Chinesische Provinz an.

Im Jahr 1959 kam es in Lhasa, der Hauptstadt Tibets, zu einem Aufstand, der vom chinesischen Militär brutal unterdrückt wurde. In der Folge flohen 80.000 Tibeter - unter ihnen auch der Dalai Lama - nach Indien ins Exil.

Während Mao’s Kulturrevolution wurde der in Tibet vorherrschende Buddhismus zum Hauptangriffspunkt der Unterdrückung. Zwischen 1966 und
1976 wurden Hunderttausende Tibeter verhaftet, verschleppt, gefoltert und getötet. Mehr als eine Million Tibeter - rund ein Fünftel der Gesamtbevölkerung - starb in Folge der chinesischen Herrschaft an Folter und Hunger, durch Hinrichtung und auf andere Weise.

Es fällt schwer, die „Menschlichkeit“, die „Christlichkeit“ der katholischen Kirche anzuerkennen, wenn es dem Papst wichtiger ist, mit Unterdrückern und Kriegsverbrechern in Dialog zu treten als mit den Vertriebenen. Einfach weil sie dem Vatikan ein größeres Potential versprechen. Ganz neu ist diese Haltung des Vatikans allerdings nicht. Schon während der Nazi-Herrschaft hat sich die katholische Kirche nicht gerade durch übertrieben menschliches Verhalten hervorgetan (Hintergründe: 1, 2). Und scheinbar nicht viel dazugelernt.

Freitag, 21. September 2007

MacPhoria - Teil 2

Programminstallationen.

Es stimmt: der Mac ist wirklich einfach. Nun, das war nicht anders zu erwarten. Schließlich steht der Mac im Ruf, vor allem eines zu sein: Einfach zu bedienen. Wie einfach einfach ist, hat mich bei der Installation neuer Propgramme dann aber doch überrascht.

Ich habe mir den Firefox in der Mac-Version heruntergeladen, weil ich zum Testen neuer Webseites gern auf unterschiedliche Browser zurückgreife. Der Download kam im Form einer .DM Datei, mit der ich als eingefleischter Windows-Benutzer erst einmal nicht viel anzufangen wusste - OS-X allerdings schon.

Die Installation von Programmen unter OS-X ist so einfach wie nur irgendwas. Beim Doppelklick auf die heruntergeladene Datei wird das enthaltene Programm zunächst als virtuelles Laufwerk gemountet und läßt sich ausführen. Das macht durchaus sinn, denn ist man vom Programm nicht wirklich begeistert, muss man das virtuelle Laufwerk, welches das Programm enthält, einfach nur auf den Papierkorb ziehen, um es restlos verschwinden zu lassen. Möchte man das Programm behalten, zieht man sein Symbol einfach in den Ordner "Programme". OS-X weiß dann, dass man das Programm installieren möchte, und kopiert alle Dateien in das entdgültige Programmverzeichnis. Alles, was der Benutzer sieht, ist weiterhin das Programmsymbol. Dass sich dahinter ein ganzes Programmpaket verbirgt, eröffnet sich erst durch das Öffnen des Kontextmenüs.

Das Deinstallieren von Programmen ist übrigens ebenso simpel: Einfach das Programmsymbol aus dem Ordner "Programme" auf den Papierkorb ziehen - fertig.

Ganz anders unter Windows: Zunächst einmal gibt es keine Option, die es einem erlauben würde ein Programm zu testen, ohne sich gleich die Festplatte vollzukramen. Um ein Programm auszuführen, muss es installiert werden, wodurch sich eine wortwörtlich unüberschaubare Anzahl von Dateien in die verschiedenen Systemverzeichnisse, Registries und INIs verteilt. Was Windows wohin kopiert, bleibt allein das Geheimnis des Entwicklers und wer meint, bei der Deinstallation würden alle Dateien sauber wieder entfernt, der befindet sich weit jenseits des Holzwegs.

Programminstallationen unter Windows haben deshalb immer ein bisschen etwas von russischem Roulette, denn der Benutzer weiß nie, ob nicht ein Programm einem anderen irgendwo dazwischen funkt und wieviel Datenmüll bei seiner Entfernung übrig bleibt. Über die Jahre werden Windows-Systeme deshalb notorisch immer langsamer, bis der Benutzer an einen Punkt kommt, an dem ein Neuaufsetzen des kompletten Systems unausweichbar wird. Da war selbst DOS deutlich einfacher.

Verwirrungen.

Schon beim normalen Arbeiten mit Dateien und Ordnern stellt sich dem Mac-Neuling des Öfteren die Frage, warum sich Apple noch immer standhaft weigert, seine Notebooks mit zwei Maustasten auszustatten. Alle anderen Hersteller tun das ja auch - nicht, daß das ein Grund für Apple wäre, es allein aus dieser Überlegung heraus ebenfalls zu tun! Das Vorhandensein von Context-Menüs und der gelegentliche Zwang zum Griff nach der CTRL-Taste lassen jedoch vermuten, daß Apple nicht so ganz am Ein-Tasten-Konzept festhalten kann. Hoffnung macht Apple's neue Mighty Mouse, die - so wie es sich gehört - mit zwei berührungsempfindlichen Flächen ausgestattet ist.

Donnerstag, 13. September 2007

MacPhoria - Teil 1

Da steht er nun: klein, schwarz, matt. Keine Frage: Es gibt kaum einen Hersteller neben Apple, dem es gelingt, Technik so unglaublich sexy in sprichwörtlich Nichts zu verpacken. Keine Schnörkel, keine Buttons, keine Zierstreifen aus Chrom, nicht einmal ein Namenszug - nichts.

Ich muss gestehen, dass es mir genau so ging, wie wahrscheinlich vielen Windows-Benutzern: Ich war schon seit der Version 3.1 dabei und bin sozusagen mit dem Betriebssystem mitgewachsen - von einem kurzen Abstecher in die Welt von OS/2 abgesehen, der aufgrund des abgrundtief schlechten Marketings von IBM deutlich kürzer ausfiel, als mir lieb gewesen wäre. Als OS/2 tot, kalt und begraben war, kam ich also zurück zu Windows, zunehmend in der Annahme, dass es wirkliche Alternativen nicht gäbe. Da war zwar noch Linux, doch da es für dieses ansonsten beeindruckende Betriebssystem kaum ernsthafte Softwarelösungen für einen Designer gibt, war es nie eine wirkliche Option.

Und dann war da noch der Mac: der bewunderte, gelobte, unerreichbar scheinende Schwarm, irgendwie eine andere Welt, in der - sollte man den Berichten Glauben schenken - Milch und Honig flossen. Man musste sich nicht einmal sonderlich für diese Welt interessieren, um hier und dort, ganz dezent, auf Referenzen zu stoßen, die sie einem ins Gedächtnis riefen und einem ins Ohr zu raunen schienen: Da ist auch noch der Mac... William Gibson und Douglas Adams sind nur zwei Kreative aus der schreibenden Zunft, die in ihren Büchern und Artikeln immer wieder direkt auf den Über-Computer, den Rebellen neben Windows, Bezug nahmen. Und natürlich ist der Mac auch aus der Welt der Designer nicht wegzudenken - hier ist gewissermaßen sein Reich und bis vor einigen Jahren galt die Antwort "Windows" auf die Frage "Was für ein System benutzen Sie?" schon beinahe als Frevel.

Und da steht er nun: klein, schwarz, matt. Ich bin der Versuchung verfallen, habe klein bei gegeben und mich Hals über Kopf in eine neue Liebe gestürzt - ein Abenteuer gewissermaßen, heraus aus der langweilig gewordenen Windows-Welt. Mein neuer Schwarm ist ein MacBook - und ich muss ihn nicht einmal einschalten, um begeistert zu sein!

Zugegeben: Einen gewissen Kult-Faktor hat er schon, der Mac. Doch der war für mich nicht ausschlaggebend. Sonst hätte ich ihn mir wahrscheinlich schon vor 5 Jahren kaufen müssen. Nein, ich hatte vielmehr rein pragmatische Gründe. Windows Vista kam auf den Markt - bereits die 7. Inkarnation des Betriebssystems von Microsoft und damit durchaus ein Grund für die Annahme, dass es diesmal etwas Intuitiveres geben werde, etwas erwachseneres, homogeneres als das, was schon da war. Was es statt dessen gab, war ein verfehlter Ausflug in grafische Gestaltungswelten, die sich dem vorübergehend begeisterten Nutzer allerdings nur beim Kauf eines neuen Rechners erschließen sollten. Es ist schier unglaublich, wieviele Ressourcen Windows verschleudert, um völlig nutzlose Effekte darstellen zu können, die alle anderen Betriebssysteme - einschließlich Linux und OS-X - gewissermaßen nebenbei aus dem Ärmel schütteln. Ressourcen, die ich viel sinnvoller dafür verwenden könnte, dass mein Bildbearbeitungsprogramm schneller läuft. Was ich allerdings nicht kann, weil mein Betriebssystem Windows heißt.

Ganz abgesehen davon, dass Windows, selbst nach Jahren, die einfachsten Dinge nicht beherrscht. Nur um ein Beispiel zu nennen: Selbst unter OS/2 war es bereits vor 12 Jahren möglich, einen Text im Webbrowser zu markieren und ihn einfach auf den Desktop zu ziehen, um ihn dort abzulegen - etwa, um ihn zitieren zu können oder später zu lesen. OS/2 hat die Auswahl als das erkannt, was sie ist - ein Text, und legte sinnvollerweise automatisch eine Textdatei mit dem entsprechenden Ausschnitt an. Versuchen Sie dasselbe mal unter Windows! Oder besser: Lassen Sie's - es lohnt sich nicht! Was Sie tun müssen ist Folgendes: Sie markieren den gewünschten Text im Web-Browser, aktivieren mit der rechten Maustaste ein Kontextmenü, wählen hier "Markieren" aus und klicken anschließend auf den Desktop. Hier rufen Sie wieder mit der rechten Maustaste ein Kontext-Menü auf, was etwas dauern kann, weil Windows die für den Aufbau notwendigen Ressourcen schon irgendwo anders verbraten hat. Im Kontektmenü - so es denn erscheint - wählen Sie "Neu", dann "Textdatei". Diese erscheint nun auf Ihrem Desktop. Hier klicken Sie zunächst auf den Namen, um die Datei sinnvoll umzubenennen. Dabei müssen Sie darauf achten, nicht die Erweiterung .TXT zu überschreiben, denn sonst kann Windows mit der Datei nichts mehr anfangen. Sind Sie soweit gekommen, müssen Sie die neue Datei nich öffnen, den ausgewählten Text hineinkopieren, die Datei speichern und wieder schließen. Wie gesagt: Alles, was Sie bei richtigen Betriebssystemen tun müssen, ist Folgendes: Text markieren, Text auf den Desktop ziehen. Fertig.

Windows ist schön und gut. Es ist ganz nett. Es funktioniert meistens. Oft sogar zufriedenstellend. Aber seine soeben generalüberholte Fassade kann nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass es hoffnungslos veraltet ist, hoffnungslos inkonsistent und durchzogen von so vielen sich widersprechenden Standards, dass man jedesmal versucht ist sich zu bedanken, wenn das System erfolgreich gebootet hat. Es war einfach Zeit für etwas Neues, für etwas Anderes.

In dieser kleinen Reihe will ich meinen Umstieg auf das neue System verfolgen - mit seinen Höhen und seinen (hoffentlich seltenen) Tiefen. Viel Spaß beim Lesen!